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Alle Jahre wieder

alle Jahre wieder haben sie die Sau durchs Dorf getrieben. Die Sau heißt Ladenschluß, die Treiber sind unsere Politkasper.

Jetzt ist Schluß. Sie hatten endlich den gewünschten Erfolg. Sie haben entschiedne. Der Ladenschluß fällt. Lange haben sie gekämpft. Die Polithanseln, die sich gerne vor Karren spannen lassen, wenn es darum geht die wirtschaftlichen Interessen bestimmter Gruppen durchzusetzen. Und natürlich diejenigen, die sich einen Vorteil vom Wegfall der Ladenöffnungsgesetze versprechen. Und das sind ausnahmslos die großen Handelsketten und Kaufhäuser.

Die wissen nämlich ganz genau, das der kleine EInzelhändler mit dünner Personaldecke die verlängerten Öffnungszeiten nicht mitmachen kann.
Kleine Läden, die auf relativ kleiner Verkaufsfläche vergleichsweise viel Personal beschäftigen haben gegen die Großen der Branche, die auf relativ großer Verkaufsfläche vergleichsweise wenig Personal beschäftigen, und damit auch vergleichsweise wenig Arbeitsplätze bieten, keine Chance. Sie werden über kurz oder lang die Flügel strecken und kaputt gehen. Dabei sind es gerade die kleinen Einzehändler, die die Innenstädte beleben, nicht das große Ragallager auf der grünen Wiese, wo man mit der Suche nach Personal ebenso viel Zeit verbringt, wie mit der Suche nach der gewünschten Ware.

Nun wird immer gerne ins Feld geführt, daß ja jeder öffnen könne, wie es seinen wirtschaftlichen Interessen entgegenkommt. Wenn also mittags zwischen 12 und 15 Uhr keine Kunden da sind, macht man eben dicht.
Oder abends ab 22 Uhr.

Fein. Die Sache hat nur einen kleinen Haken. Diejenigen, die solche Rechnungen aufmachen salbadern nämlich immer auch gleichzeitig gerne von Kundenfreundlichkeit. Kundenfreundlich sind aber die bisherigen und geregelten Öffnungszeiten viel mehr. Wenn man heute in die Stadt zum Einkaufen geht, weiß man ganz sicher, daß alle Läden zu geregelten Zeiten geöffnet haben. An diese Zeiten hat man sich gewöhnt und man kennt sie und kann sich darauf verlassen. Wenn aber jeder aufmacht oder schließt wann er will, weiß man das nicht und steht beim Gang durch die Stadt immer wieder vor verschlossenen Türen. Soll man sich jetzt den ganzen Tag frei nehmen um seine Einkäufe machen zu können?

Gleichzeitig ist es ja so, daß wir in Deutschland seit x Jahren verlängerte Öffnungszeiten haben. Langer Donnerstag oder langer Samstag gab es früher nicht. Die Ausweitung der Öffnungszeiten haben damals aber eben auch schon die Großen der Branche verlangt. Man gab sie ihnen. Argument waren wirtschaftliche Gewinne und mehr Arbeitsplätze.

Was ist davon eingetreten? Nichts! Nicht mehr Arbeitsplätze, nicht mehr Umsatz und Gewinn. Nur Idioten glaubten wirklich an dieses Märchen. Tatsache ist hingegen, daß der Kosument nicht mehr Geld ausgibt, nur weil die Läden länger geöffnet sind. Kaufe ich zwei Brote statt eines, weil der Bäcker jetzt auch am Sonntag öffnet? Kaufe ich ein Hemd mehr oder eine Hose mehr, nur weil sich das Personal in den Kaufhäusern künftig bis spät nachts die Beine für mich in den Bauch stehen dürfen? Alles Blödsinn!

Dafür steigen die Preise. Wer länger geöffnet hat hat höhere Betriebs- und personalkosten. Licht muß länger brennen, Klimaanlagen müssen länger laufen, Rolltreppen, Kassen - alles Strom-, bzw. Energieverbraucher. Die steigenden Kosten trägt natürlich der Kunde an den sie über höhere Preise weitergegeben werden.

Der kleine Einzelhändler wird die Freigabe der Ladenöffnungszeiten nicht mitgehen können. Schließlich kann sich wenig personal nicht rund um die Uhr in die Läden stellen. Neue Einstellungen wird es deshalb aber auch nicht geben, weil eben nicht mehr Umsatz und Gewinn gemacht wird. Die Menge des dem Verbraucher zur Verfügung stehenden Geldes wächst ja nicht automatisch an nur weil er nun länger einkaufen gehen kann.

Es wird also eine Verlagerung der Kunden weg vom kleinen Einzelhändler hin zu den großen der Branche geben, die ihr Personal anders einsetzen, und die Arbeitszeiten variabler gestalten können. Ist das vielleicht der Grund, daß sich ausschließlich die Chefs von Karstadt, Kaufhof und andere Große der Brache für die Freigabe der Öffnungszeiten aussprechen? Welchen Grund könnte es noch haben, daß sie so sehr für den Wegfall des Ladenschlußgesetzes sind?

Der Chef von Karstadt hat ja selbst zugegeben, daß die Verlängerung der Öffnungszeiten vor x Jahren keine Vorteile brachte, keine Arbeitsplätze, keinen Mehrumsatz. Trotzdem sei er für den Wegfall des Gesetzes. Warum?

Ist in Deutschland je ein Mensch verhungert, verdurstet oder erfrohren, weil er nicht rund um die Uhr und an jedem beliebigen Tag einkaufen gehen konnte? Nein!

Nun wird auch gerne behauptet, die Arbeitnehmer anderer Branchen und Dienstleistungen müßten ja auch an Wochenenden und rund um die Uhr arbeiten. Das ist richtig. Aber dabei handelt es sich fast ausnahmslos um Branchen in denen solche Arbeitszeiten unverzichtbar sind. Schließlich können die Ärzte nicht nach 8 Stunden alle das Skalpell fallen lassen und sich ins Wochenende verabschieden. Weitere Beispiele kann sich jeder selbst heraussuchen.

Im Gegensatz dazu sind längere Öffnungszeiten im Einzelhandel aber nicht unverzichtbar. Sie sind verzichtbar, weil es bisher auch mit geregelten Öffnungszeiten ging und die dadurch entstehenden Nachteile individuelle sind, aber keinesfalls gesellschaftliche. Keine Milch im Haus zu haben, weil man das Einkaufen verpennt hat oder zu wenig Zeit hatte, ist eben kein Nachteil der mit der Einstellung der Energieversorgung oder der Einstellung medizinischer Versorgung wegen Wochenende oder Feierabend vergleichbar wäre.

Die Befürworter der Aufhebung des Ladenschlußgesetzes sehen meist nur ihren eigenen Vorteil. Rundum die Uhr an jedem beliebigen Tag einkaufen zu gehen ist eben eine sehr bequeme und einfache Sache. Und schließlich müssen andere ja auch zu unmöglichen zeiten arbeiten. Und endlich handelt es sich ja um eine Dienstleistung. Ja ja. Schöne Argumente. Sie haben nur einen Haken. Man könnte den Spieß nämlich auch mal umdrehen. Warum denn nicht Dienstleistung von allen für alle rund um die Uhr und an jedem Tag? Jeder arbeitet wie und wann er es für richtig hält, bzw. sein Arbeitgeber es für richtig hält. Schließlich kann man nicht von den Beschäftigten des Einzelhandels etwas verlangen, was man selbst nicht bereit ist zu leisten.

Und das heißt dann in der letzten Konsequenz eben Dienstleistung von allen für alle. Nachteile muß man eben in Kauf nehmen. So wie sich die Beschäftigten im Einzelhandel für uns die Nacht um die Ohren schlagen dürfen oder das Wochenende versauen lassen müssen, muß dann eben jeder hinnehmen, daß der Schlossereibetrieb, die Waschanlage, der Zimmermann, die Autowerkstatt oder das bauunternehmen zu jeder Zeit und an jedem Tag ihre Maschinen laufen lassen und Krach machen. Schließlich gibnt es Kunden, die zu unmöglichen Zeiten Dienstleistung verlangen.

Aber genau an diesen Punkt gelangen die Befürworter freier ÖPffnungszeiten nie. Weil sie genau wissen, daß dann niemand mehr die Gewissheit haben kann, auch mal seine Ruhe zu haben. Am Wochenende oder nachts zum Beispiel. Und weil sie genau wissen, daß bei der ganzen Argumentation von Dienstleistung und Kundenfreundichkeit eben nicht unberücksichtigt bleiben darf, daß es notwendige Allzeit-Verfügbarkeit von Dienstleistung gibt und nichtnotwendige. Und schließlich steht bei jedem einzelnen auch sein ganz persönliches Bedürfnis nach Ruhe und Erholung im Vordergrund. Besonders dann, wenn die EInkäufe gemacht sind und der Feierabend oder das Wochenende bevorstehen. Da darf es nicht sein, daß die Schlosserei nebenan ihre Wochenendschicht beginnt und Krach macht. Überhaupt sind es stets die eigenen Bedürfnisse, die die Befürworter freier Öffnungszeiten im Auge haben. Sie wollen einkaufen können wann immer es ihnen paßt, aber trotzdem ihre Ruhe haben, wenn sie frei haben und nicht arbeiten müssen.
Bei konsequenter Anwendung freier Öffnungszeiten und zuendegedachtem Argument für Dienstleistung müßten sie selbst aber eben auch rund um die Uhr und an jedem Tag verfügbar sein. Daß gemeinsame Unternehmungen mit Freunden, Verwandten und Familie dann eben nicht mehr so leicht planbar sind, versteht sich von selbst. Denn auch sie müssen ja zu unterschiedlichen Zeiten arbeiten.

Gerne wird auch argumentiert, daß in anderen Ländern die Läden ja auch rund um die Uhr geöffnet sind. Amerika wird dann häufig als beliebtes Beispiel angeführt. Dabei wird nur immer wieder unterschlagen, daß in vielen Städten der USA ebenfalls zu bestimmten Zeiten die Bürgersteige hochgeklappt und am Wochenende die Läden dicht gemacht werden. In den großen Metropolen mit ihren enormen Menschenmassen ist das u. U. anders. Aber dort kann auch der kleinere Einzelhändler eine Aushilfe in den Laden stellen, für die er im gegesatz zu Deutschland keine Sozialleistungen oder andere Abgaben berappen muß. Und wer sich die kleinen Einzelhändler dort mal genau angesehen hat, der weiß auch, daß sie ebenfalls unter dem Preisdruck und den flexibleren Arbeitszeiten der großen Märkte leiden. Vielerorts sind die kleinen Läden aus dem Ortsbild verschwunden während Walmart auf der grünen Wiese mit einem Bruchteil der einstigen Arbeitsplätze den großen Reibach macht.

Wer diese Zustände hier auch in Kauf nehmen will nur weil er sein individuelles Bedürfnis nach Einkaufen-rund-um-die-Uhr befriedigt sehen will, der hat nicht begriffen oder will nicht sehen, daß der Vergleich zwischen Ländern mit unterschiedlichen Sozialgesetzgebungen, Arbeitsrechten und Löhnen eigentlich nicht zulässig ist. Selbst im europäischen Ausland sind die Zustände nicht so gülden wie sie von den Befürwortern freier öffnungszeiten immer gerne ausgemalt werden. Der Urlauber am Ballermann oder Antalia findet es natürlich gaz toll, daß nachts in der Stadt noch alle Läden für ihn geöffnet sind und meint, daß müsse nun in Castrop-Rauxel oder Filderstadt-Bonlanden auch funktionieren. Klare Sache, denn dort laufen ja mindestens so viele Deutsche in kauffreudiger Urlaubsstimmung herum wie nachts in Antalia oder Palma der Mallorca.
30.9.06 12:18
 



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